Kostenlose eBooks zu Rechtsthemen - zu viel des Guten?
18.10.09
Ein Leser des E-Mail-Kurses “Erfolgreiches Online-Marketing für Anwälte” hat mir kürzlich seine Sichtweise zu einem Thema geschildert, das in Lektion 8 besprochen wird - nämlich der passende Content. In dieser Lektion stelle ich eine Anwaltskanzlei vor, die kostenlose Ebooks für ihre Besucher bereithält - meines Erachtens eine sehr gute Strategie. Eine andere , und durchaus verständliche Sichtweise hat Rechtsanwalt Dennis Sevriens geäußert:
Sehr geehrter Herr Beilharz,
ich lese regelmäßig Ihren kostenlosen Newsletter, sozusagen als Kontrolle unserer Marketing-Arbeit. Vielen Dank dafür. Über den nachfolgenden Satz aus Ihrem aktuellen Newsletter habe ich kurz nachgedacht:
Ein hervorragendes Beispiel für diese Strategie ist die IT-Rechts-Kanzlei. Diese Kanzlei hat die Bedeutung hervorragenden Contents verstanden und bietet zahlreiche eBooks zum kostenlosen Download an: http://www.it-recht-kanzlei.de
Ich kenne diese eBooks schon länger und halte diese gerade nicht für ein gutes Beispiel von Anwaltmarketing. Wer sich als Betroffener diese Skripts aufmerksam durchliest, braucht außergerichtlich meist gar keinen Anwalt mehr.
Die sägen an dem (Umsatz-)Ast, auf dem sie sitzen. Das geht weit über „anfüttern” hinaus.
Meine Antwort darauf:
Ich finde Ihre Ansicht sehr interessant. Gut möglich, dass die Kanzlei zu viel verrät und sich
damit obsolet macht. Aber ist das denen denn dann noch nicht aufgefallen? Ich gehe mal davon
aus, dass die auch ein einigermaßen vernünftiges Controlling betreiben und wenn die Zahl der
Downloads sehr hoch, die Zahl der Anfragen aber sehr niedrig ist, sollte man doch davon ausgehen,
dass die eBooks irgendwann im Umfang reduziert werden, oder?Aus meiner Erfahrung macht die gefahrene Strategie manchmal durchaus Sinn. Es gibt Autoren,
die stellen ein komplettes Buch, das gerade neu auf den Markt kommt, kostenlos zum Download
bereit, und trotzdem (oder gerade deswegen) kommt das Buch auf den Bestseller-Listen ganz nach oben.
Nebenbei haben die Autoren dann zig-tausend Newsletter-Abonnenten gewonnen für zukünftige
Beratungs-Akquise. Torsten Schwarz ist so jemand. Sein Grundlagenwerk “Online-Marketing” hat er
kurz vor dem Erscheinen kostenlos online gestellt - mit großem Erfolg.Außerdem glaube ich, dass ein juristische Laie, je mehr Informationen er hat, umso verwirrter wird.
Zahlreiche Ausnahmetatbestände, unklare Tatbestandsmerkmale oder Rechtsfortbildung durch Gerichte
sind ihm ja gar nicht bekannt. Ich glaube, die Chance, dass er nach dem Lesen eines solche Ratgebers
erst recht einen Anwalt einschaltet, stehen so schlecht nicht.
Was glauben Sie, liebe Leser? Verrät die Kanzlei zu viel oder handelt es sich hier um eine sinnvolle Marketing-Strategie?





